Lions Club

Olpe-Kurköln

Siegener Zeitung vom 24. November 2017

Ein Ort für das Erinnern

Kerzenständer in der Rochuskapelle installiert / Anlaufstelle für Trauernde

  • Pfarrer Clemens Steiling, Gretel Kemper und Gaby Brüser von den Freunden der Rochuskapelle und Kirchenvorstandsmitglied Michael Ohm (v. l.) sind stolz auf den neuen Kerzenständer, der trauernden Menschen in der Rochuskapelle eine Anlaufstelle sein soll. Foto: win
Dank dem Freundeskreis der Rochuskapelle und dem Lions Club hat die altehrwürdige Kapelle eine Neuerung erfahren.
 
win. Totensonntag. Volkstrauertag. Allerheiligen, Allerseelen - Tage, die von vielen genutzt werden, um die Friedhöfe aufzusuchen und die Gräber von Angehörigen, Freunden, Eltern oder Kindern zu besuchen. Und für viele ist es tröstlich, ein Licht am Grab anzuzünden und die Grablaterne leuchten zu lassen, um anderen zu zeigen: Hier wird an jemanden gedacht, hier ist jemand nicht vergessen.
Doch nicht jeder Mensch kann das Grab eines lieben Verstorbenen besuchen. Für solche Fälle ist seit gestern die Rochuskapelle zu einer möglichen Anlaufstelle geworden.
Unmittelbar am Rande des Kommunalfriedhofs steht das kleine Gotteshaus.
Erst kürzlich von dem aus Olpe stammenden Restaurator Markus Schmidt in alten Glanz zurückversetzt, ist das älteste Gotteshaus, vermutlich sogar das älteste erhaltene Gebäude in der Stadt, ein wenig in Vergessenheit geraten, seit in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Friedhofshalle gebaut wurde, in der seitdem bei Beerdigungen die Verabschiedung des Sarges stattfindet. Vor einigen Jahren fanden sich Menschen zusammen, die sich den Erhalt der Rochuskapelle zum Ziel gesetzt haben. Sie haben bereits einiges erreicht oder angestoßen: die Außensanierung, die Innensanierung samt Holzwurmbeseitigung, die Verbesserung der Außenbeleuchtung, die Reaktivierung des Glöckchens und die Sanierung des Außengeländes samt den zahlreichen Sitzbänken.
Vor einiger Zeit traf die engagierte Heimatfreundin Gretel Kemper, Mitglied des Freundeskreises, beim Besuch der Kapelle eine weinende Frau. Diese schilderte Gretel Kemper, ihr Vater sei in Russland gefallen und liege irgendwo verscharrt, ihre
Mutter sei in München begraben. Sie bedauere so sehr, keinen Platz zu haben, wo sie ein Licht für ihre Lieben anzünden könne.
Gretel Kemper verstand das Anliegen der Frau und aktivierte den Freundeskreis. Michael Ohm, Mitglied des Kirchenvorstands und Architekt, zeichnete den Entwurf für einen soliden Kerzenständer, auf dem Teelichte aufgestellt werden können. Die Schlosserei Vollmer in Drolshagen baute das solide Gestell, und der Lions Club Olpe-Kurköln bezahlte das Ganze. Der Freundeskreis wird dafür sorgen, dass stets Kerzen da sind. Der Ständer ist im Vorraum der Kapelle am Gitter befestigt, das es ermöglicht, das Gotteshaus zu betreten, ohne vollen Zugang zum wertvollen Interieur des 350 Jahre alten Gotteshauses gewähren zu müssen.
Pfarrer Clemens Steiling war gestern zu den „Freunden der Rochuskapelle" gekommen, um die Neuerung zu segnen. Die Rochuskapelle sei einst erbaut worden in Zeiten großer Not - Rochus war Schutzheiliger gegen die Pest. Die Anschaffung des Kerzenständers sei nun ein „kleiner Anlass, die Kapelle wieder ein wenig in den Blick zu rücken". Denn das Anzünden von Lichtern sei für viele Menschen eine Hilfe, um Trauer zu bewältigen. Nahe dem Friedhof lade die Kapelle ein, die Not der Menschen Gott zuzutragen. Die Kerze sei für Gott nicht wichtig, aber für die Menschen, die sie anzünden. Die Idee, einen solchen Kerzenständer als Anlaufstelle in der Kapelle zu installieren, lobte Steiling ausdrücklich.
Dann dankte er den „Freunden der Rochuskapelle" wie allen anderen freiwilligen Helfern, die sich um den Erhalt von Kapellen im Pastoralverbund kümmern. „Das sind Gebäude, die wir für den regulären Betriebsablauf eigentlich nicht brauchen. Deshalb gibt es aus Paderborn auch kein Geld mehr dafür. Umso wertvoller ist Ihr Dienst, der dazu beiträgt, das spirituelle Leben in den Gemeinden zu erhalten."
Wenn die Tür der Kapelle zwar geschlossen, aber nicht abgeschlossen ist, soll künftig ein Schild am Türgriff anzeigen, dass das Gebäude betreten werden kann, damit niemand den Weg vergeblich auf sich nehmen muss.